Beiträge vom April, 2009

Touristiker ziehen positive Bilanz für 2008 – für 2009 äußert sich Branche noch zurückhaltend

Donnerstag, 30. April 2009 19:13

Schleswig-Holstein. Die Experten vom Sparkassen-Tourismusbarometer haben heute die aktuelle Konjunkturanalyse von Schleswig-Holstein und die Branchenthemen des Jahres vorgestellt.

Priwall-Strand.

Träger des Sparkassen-Tourismusbarometers sind der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein und der Tourismusverband Schleswig-Holstein. Die allgemeinen Teile der Branchenthemen wurden im Rahmen des Sparkassen-Tourismusbarometers finanziert, die Untersuchungen der Einzelstandorte wurden finanziell durch das Land unterstützt. Durchgeführt wurden die Untersuchungen vom dwif und Project M (Häfen und Marinas) und vom dwif (Edutainment).

Seit nunmehr vier Jahren ist ein Nachfrageplus sowohl bei den Ankünften als auch bei den Übernachtungen in Schleswig-Holstein zu verzeichnen. Im Jahr 2008 hatte das Urlaubsland ein Gesamtaufkommen von 23,9 Millionen Übernachtungen und 5,7 Millionen Ankünften, beides inklusive Touristikcamping. Somit sind 4,4% mehr Gäste ins nördlichste Bundesland gekommen als im Vorjahr, und Schleswig-Holstein lag bei den Ankünften sogar auf Platz drei im Bundesländervergleich.

Das Übernachtungsplus betrug 1,1%. Einen großen Anteil am Tourismuswachstum hatten die Campingübernachtungen in Schleswig-Holstein. Darüber hinaus hat sich der Ausländertourismus in Schleswig-Holstein besonders gut entwickelt. Die Ankünfte bei den ausländischen Gästen sind um +2,9%, die der Übernachtungen sogar um +5,4% gestiegen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag mit 4,2 Tagen leicht unter dem Vorjahresniveau.

Im Vergleich der drei Küstenbundesländer punktete Mecklenburg-Vorpommern mit einem Übernachtungszuwachs um 4,4% und insgesamt 27,5 Millionen Übernachtungen. Niedersachsen konnte ein Plus von 2,8% bei 36,9 Millionen Übernachtungen verbuchen.

Ausblick 2009: Krise verschärft den Wettbewerb

Zum einen verunsichert die Wirtschaftskrise potenzielle Urlauber hinsichtlich ihrer Reisetätigkeit. Zweit- und Drittreisen stehen bei einigen von ihnen zur Disposition. Unternehmen kündigen Einsparungen bei den Geschäftsreisen an. Andererseits bestehen berechtigte Hoffungen, dass der Deutschlandtourismus und somit auch Schleswig-Holstein von der Krise profitieren wird.

11 von 16 Bundesländern zählten im ersten Monat des Jahres weniger Übernachtungen. Umso erfreulicher, dass Schleswig-Holstein von dieser Entwicklung nur zum Teil betroffen ist. Die Übernachtungsentwicklung im Januar verlief entgegen dem bundesweiten Trend positiv (+1,8%), die Zahl der Gäste reduzierte sich (-0,4%).

Mecklenburg-Vorpommern musste Gäste- (-4,9%) sowie Übernachtungsrückgänge (-2,4%) feststellen. Innerhalb von Schleswig-Holstein verlief die Nachfrageentwicklung sehr unterschiedlich: Deutlich zulegen konnte die Nordsee bei den Ankünften (+11,7%) und bei den Übernachtungen (+7,2%). Die Ostsee büßte Gäste ein (-0,6%), hatte jedoch ein Plus bei den Übernachtungen (+2,5%). In der Holsteinischen Schweiz konnten mehr Ankünfte (+11,8%), aber weniger Übernachtungen (-3,3%) gezählt werden.

Das Stimmungsbarometer

Mehr als zwei Drittel der Touristiker blicken auf eine erfreuliche Übernachtungsentwicklung im Jahr 2008 zurück. Bezüglich der Auslastung äußerten sich 61% „sehr zufrieden“ und „zufrieden“, was nahezu vergleichbar mit dem Vorjahreswert (64%) ist. Mit der Entwicklung im Bereich Tagesausflüge sind sogar 69% der Befragten zufrieden – im Jahr 2007 war dies nur knapp die Hälfte der Befragten. Bei den Gastronomen hielten sich erstmalig positive und negative Stimmen die Waage. In den Vorjahren wurde die Lage durchaus pessimistischer gesehen.

Die Erwartungen der Touristiker für das Jahr 2009 fallen in allen Bereichen sehr verhalten aus, nur die wenigsten rechnen mit Zuwächsen. Insgesamt geht die Branche von gleich bleibenden Zahlen im Jahr 2009 aus. Das Halten des Vorjahresniveaus ist für viele die Zielvorgabe.

Für das Ostergeschäft hatten 23% der Befragten eine bessere Vorbuchungslage im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet, in Bezug auf das Sommergeschäft waren es sogar 31%. Jeweils mehr als ein Drittel der Tourismusorganisationen konnten immerhin das Vorjahresniveau wieder erreichen. Auffällig ist, dass bei allen Buchungen die Kurzfristigkeit weiter zunimmt.

Arbeitsfeld „Qualität und Qualifizierung“ und die Branchenthemen 2009

2009 wollen die Touristiker die Themen „Qualität / Qualifizierung“ noch weiter voranbringen. Angesichts immer knapper werdender Kassen scheinen die Tourismusorganisationen mehr denn je zusammenzurücken, um Potenziale zugunsten verschiedener Akteure zu bündeln.

Im Rahmen des Branchenthemas „Touristische Inwertsetzung von Häfen und Marinas“ wurde der Frage nachgegangen, wie sich diese nicht nur für Segler, sondern für alle touristischen Zielgruppen öffnen lassen. Die übergreifende Zielsetzung ist die Profilierung Schleswig-Holsteins als „Maritimes Urlaubs- und Erlebnisland“. Jeder Hafen braucht eine individuelle Idee, ein zentrales Leitthema, das sich wie ein roter Faden durch Infrastruktur- und Angebotsentwicklung zieht. Als Häfen mit besonderem Potenzial wurden Büsum, Heiligenhafen und Eckernförde ausgewählt. Auch anhand dieser Praxisbeispiele werden allgemeine Empfehlungen für die Weiterentwicklung und die Ausrichtung auf die Zielgruppen Schleswig-Holsteins gegeben.

Das Branchenthema „Edutainment“ untersuchte die Einrichtungen in Schleswig-Holstein, die Bildung („education“) mit Unterhaltung („entertainment“) kombinieren. Gerade auch diese witterungsunabhängige und das Image prägende Erlebnisinfrastruktur kann die Wettbewerbsposition Schleswig-Holsteins als „Maritimes Urlaubs- und Erlebnisland“ sichern und verbessern. Zu den Untersuchungsaufgaben zählten die Evaluierung des derzeitigen Angebotes, eine Konkurrenzanalyse sowie die Abschätzung des Gesamtbesucherpotenzials, um letztlich den künftigen Bedarf an neuen Standorten, auch vor dem Hintergrund bestehender Planungen, zu bestimmen.

Bisher existieren im Land keine reinen Edutainmenteinrichtungen, sondern allenfalls Einrichtungen mit Edutainment-Elementen. Stellvertretend wurden die folgenden Einrichtungen untersucht: das Multimar Wattforum in Tönning, das Erlebniszentrum Naturgewalten in List/Sylt, die Phänomenta in Flensburg, das Sea Life in Timmendorfer Strand, die Sturmflutenwelten in Büsum, das AÖZA in Albersdorf, das Wikingermuseum Haithabu und das Freilichtmuseum Molfsee.

Auch hier spielt die individuelle Story-Line, der rote Faden, eine entscheidende Rolle, um mit innovativen und ansprechend umgesetzten Hauptattraktionen eine überregionale Anziehungskraft zu entfalten. Wichtige Aspekte stellen authentische, Image fördernde Themen, die Architektur und Inszenierung sowie die Umsetzung im Inneren dar. Die Ergebnisse werden im Jahresbericht 2009 des schleswig-holsteinischen Sparkassen-Tourismusbarometers veröffentlicht.

Weitere Informationen erhalten Sie im Infobrief 2/2009 auf der Internetseite des Sparkassen-Tourismusbarometers unter www.sparkassen-tourismusbarometer-sh.de. CH

Thema: Schleswig-Holstein | Kommentare deaktiviert | Autor: admin