Wieder mehr als 200 Schiffe erwartet: Haikutter und Windjammer prägen die 19. Sail
Rostock. Zur 19. Hanse Sail Rostock vom 6. bis 9. August 2009 werden rund 230 Schiffe aus zwölf Nationen erwartet. Das Großereignis kündigt seine feierliche Eröffnung schon am Himmel über Rostock an. Fallschirmspringer der Marine schweben mit den Fahnen des Partnerlandes Dänemark, der Bundesrepublik Deutschland und der Hanse Sail ein.
Die Ouvertüre des maritimen Festes, das zu den weltweit größten Traditionsseglertreffen gehört, findet bereits einen Tag vor der offiziellen Eröffnung durch den Schirmherrn des Festes, den Ministerpräsidenten des Landes Mecklenburg-Vorpommern Erwin Sellering, statt. Am 5. August startet aus dem 600-jährigen dänischen Nysted die 1. Haikutter-Regatta mit elf Schiffen aus Schweden und Deutschland zu einem rund 40-Seemeilen-Kurs nach Rostock. Diese außergewöhnliche Wettfahrt ist mehr als ein Zeichen harmonischer Nachbarschaft – das Königreich Dänemark ist Partnerland der diesjährigen Sail.
Die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Dänemark gebauten Fischkutter wurden von der Konkurrenz „Haie“ genannt, weil sie durch schnelle Fahrt und effektive Fangmethoden bestachen.
Auf den Kuttern werden Vertreter von Unternehmen und Institutionen mitsegeln, die diese Premiere unterstützen, wie z. B. die OSPA. An Bord der mit Gaffelriggs ausgelegten Schiffe, die z. T. über 20 Meter lang sind, haben aber auch Mitsegler angeheuert, die bei der Buchungszentrale des Hanse Sail Vereins das Ticket für „einmal quer über die Ostsee“ erworben haben. Sie werden sich an den Leinen der Traditionssegler vermutlich tüchtig ins Zeug legen, um „ihr“ Schiff im Zieleinlauf direkt vor der Westmole von Warnemünde gut zu platzieren. In einer internen Wettfahrt gehen die „Bodil“ für Nysted und der schwedische Kutter „Björnsund“ für Rostock an den Start. Deren Crew wird durch Segler aus Mecklenburg-Vorpommern verstärkt, die sich auf der Warnemünder Woche in besonderer Weise engagiert hatten.
Am Sonntagabend gestalten die liebevoll gepflegten Haikutter von 19.00 bis 20.10 Uhr die „Parade der Nationen“ im Stadthafen. Als emotionaler Abschluss der Hanse Sail 2009 soll diese Aktion, bei der jeweils ein Schiff ein Land der Hanse Sail 2009 repräsentiert, den Gästen schon Lust auf die 20. Hanse Sail machen.
Stattliche Windjammer in Rostock
Für Liebhaber der großen Segelschiffe und für Sammler von Bordstempeln wird die 19. Sail vor allem durch die Teilnahme zahlreicher Windjammer, darunter dreier Vollschiffe, besonders attraktiv. Nach Rostock kommen unter anderem der größte traditionelle Windjammer der Welt, die russische Viermastbark „Sedov“ (Baujahr 1921), die norwegische „Sörlandet“ (1927) sowie zwei Schwesternschiffe, die polnische „Dar Mlodziezy“ (1982) und die russische „Mir“ (1987).
Die mit knapp 110 Metern Länge stattlichen „Schwestern“ steuern gemeinsam ihren Kurs von Klaipeda nach Rostock. An Bord der „Mir“, dem schnellsten Großsegler der Welt, gehen Geschäftsführer, Verbandspräsidenten und Politiker aus den Regionen Leipzig und Chemnitz. Ehrenkapitäne sind die Schauspieler Dieter Bellmann („In aller Freundschaft“) und Wolfgang Winkler („Polizeiruf 110“). Sieben Großsegler werden in Warnemünde festmachen, 22 Masten eine fantastische Kulisse in das Seebad zaubern.
Zur 19. Auflage des maritimen Festes kommen drei Segelschiffe, die von ihrem Anliegen und ihrer Ausstattung auf behinderte Segler und Passagiere ausgerichtet sind. Zu ihnen gehört der schwedische Haikutter „Björnsund“, der Dank einer breiten internationalen Unterstützung, so auch aus Rostock, nach einer Havarie und einer einjährigen Zwangspause im Stadthafen anlegt. Der erste deutsche „Rolli-Segler“, die „Wappen von Ueckermünde“, segelt ebenso in der Armada der Sail-Schiffe wie die britische „Lord Nelson“, die durch Segler mit Handicap geführt wird und im Rahmen eines internationalen Projektes mit Behinderten aus Irland, England, Dänemark, den Niederlanden und Deutschland von Rostock zur „Delfsail“ in Holland aufbricht.
Mit Traditionssegelschiffen die „Völker zu verbinden“ ist ein Grundanliegen der Hanse Sail. Das gilt insbesondere für die Ostsee, wo die Baltic-Sail-Bewegung mit den neuen Partnern Gävle (Schweden), Swinoujscie (Polen) und Sassnitz präsent ist, geht aber auch über den Ostseeraum hinaus. Zu den erwarteten Schiffen aus zwölf Nationen gehören erstmals auch zwei Schiffe aus Bulgarien. Während das Schulschiff „Kaliakra“ aus Rostocks Partnerstadt Varna nach ihrem ersten Besuch in Rostocker Hafen wieder die rund 4.500 Seemeilen ins Schwarze Meer vor dem Bug hat, bleibt die „Skythia“ dauerhaft in der Ostsee. Die bulgarische Schönheit ist nach ihrer Überführung in ihrem neuen Heimathafen Rostock angekommen und bietet als Nachbau der berühmten Rennyacht „America“ vor allem sportliche Mitsegeltörns an.
Besondere Aufmerksamkeit gebührt den Jubilaren der 19. Sail. Einen „Runden“ feiert das Plattbodenschiff „Fortuna“. Ebenso wie der Klipper „Sigandor“ und die Galeasse „Amazone“ zählt sie stolze einhundert Jahre. Mit der „Landrath Küster“ begrüßt die Hanse Sail einen besonderen Jubilar an der Warnow. Der Finkenwerder Hochseekutter wurde vor 120 Jahren gebaut.
Das Mitsegeln ist auf allen Segelschiffstypen vom Vollschiff bis zum Schoner möglich, Plätze sind auch für Kurzentschlossene noch buchbar. Gleiches gilt für Passagiere des Wasserflugzeuges vom Typ „Beaver“ BHC-2, das in Kanada gebaut wurde und vom Fischereihafen Rostock-Marienehe im alten Hafenbecken beim Zollgebäude, startet. Die „Luftreisen“ über Rostock und Warnemünde – ca. 25 bis 30 Minuten – können direkt und schnell vor Ort im Areal des Seeflugteams gebucht werden. Dort liegt auch das Flugboot des Deutschen Wasserflieger-Verbandes (e.V.). Die Präsentation der imposanten Maschine übernimmt der Pilot Frank Degen für Besucher persönlich. Er steuert das Flugboot von Nürnberg nach Rostock und war auch am Bau sowie an Konstruktionsbereichen der „SeaRey“ beteiligt.
Sail-Gäste, die besonders an historischer Technik Interessiert sind, können für eine Mitfahrt auf dem über 80-jährigen Dampfeisbrecher „Stettin“ einchecken, dessen rauchender Schornstein seit 1991 jedes Jahr ein besonderes Markenzeichen der Rostocker Veranstaltung ist.
Einige der Traditionsschiffe werden möglicherweise eine schwarze Flagge mit weißem Fragezeichen im Topp führen. Mit der Aktion „Blackflag“ wollen die Betreiber von Traditionsschiffen darauf aufmerksam machen, dass sie sich zunehmend erheblichen Rechtsunsicherheiten für den Betrieb ihrer Schiffe im internationalen Verkehr ausgesetzt sehen.
Attraktive „Seh“- und Schauplätze
„Hier sitzen Sie in der ersten Reihe!“ – dieser Slogan gilt für all jene, die sich für einen Sehplatz am Passagierkai und auf den Warnemünder Molen entscheiden. Hier kann beobachtet werden, wie die Segler ihre weiße und farbige Pracht setzen. Und man hat zugleich Schiffe aus mehreren Generationen im Blick: Koggen, Fähren, Kreuzliner und die so genannten Grauen Schiffe der Deutschen Marine. Sie lädt als enger Partner der Hanse Sail zum „Open Ship“ auf der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ und auf ein Schnellboot im Stadthafen ebenso ein, wie zum traditionellen „Offenen Stützpunkt“ in Warnemünde-Hohe Düne. Diese herzliche Einladung gilt auch für das weiße Schiff unter den „Grauen“, das Segelschulschiff „Gorch Fock“.
Einen „Top-Ausguck“ haben Sailgäste von zwei besonderen Schiffen, die in Rostock-Schmarl liegen: Das Traditionsschifff „Typ Frieden“ und das Jugendschiff „Likedeeler“ laden zur Aus- und Einlaufparade am Sail-Samstag ein. Auf dem einstigen „10.000-Tonner“, der das Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum „im Bauch“ hat, wird der prominente Kapitän Gerd Peters die Gala der großen Segler kommentieren. Im Stadthafen und in Warnemünde erledigen diese Aufgabe die Moderatoren des seit 1996 bestehenden Streckenfunks.
Seit Jahren bemühen sich die Organisatoren der Hanse Sail um ein zunehmend attraktives Tages-Programm im Stadthafen. Hier wird von Jahr zu Jahr mehr auf dem Wasser geboten. So gibt es sportliche Wettkämpfe im Segelstadion: Windsurfer sind auf der Warnow unterwegs, Wasserspringer aus Rostock stürzen sich aus dem „Krähennest“ (Mastkorb). Spannende Wettkämpfe werden Renn-Ruderachter der drei Rostocker Runderclubs um den „Hanse-Sail-Cup“ austragen. In den Booten sitzen zum Match der Ruder-Recken auf der 1000-Meter-Strecke neben ehemaligen Olympiasiegern, Welt- und Europameistern auch junge Sportler. Wasserski-Läufer des Clubs Luzin aus Feldberg werden auf Warnow-Wellen des Stadthafens spektakuläre Shows bieten. Die beiden Vorstellungen um 14.00 und um 19.00 Uhr werden vom Moderationstower auf der Silo-Halbinsel aus kommentiert.
In Kombination mit dem täglich 12-stündigen Unterhaltungsprogramm auf über einem halben Dutzend Bühnen, darunter von NDR und Antenne Mecklenburg-Vorpommern, und der über drei Kilometer langen Bummelmeile, lohnt sich also auch tagsüber ein Besuch des Rostocker Stadthafens, des Warnemünder Passagierkais und der Promenade vom Leuchtturm bis zum Hotel Neptun. Rund 500 Marktteilnehmer unterhalten die Gäste mit verschiedenen Angeboten und Veranstaltungen.
Ein romantisches Highlight der Hanse Sail sind die von der OSPA präsentierten Höhenfeuerwerke am Samstagabend, die um 22.30 Uhr parallel im Rostocker Stadthafen und in Warnemünde stattfinden. Attraktiver Höhepunkt am Sail-Sonntag ist die Wahl der „Miss Hanse Sail 2009“. Ab 14.00 Uhr präsentieren sich die jungen Damen auf der Hanse-Sail-Bühne der Jury und dem Publikum, die Krönung erfolgt gegen 19.00 Uhr.
Ohne die mehr als 50 Partner aus der Wirtschaft, die die Hanse Sail unterstützen, wäre solch ein vielfältiges Programm nicht denkbar. Zusammen decken die Sponsoren gut ein Viertel des Budgets des Büro Hanse Sail ab – das ist gut, aber noch nicht Weltklasse. Positiv ist, dass langjährige Partner der Veranstaltung, wie die Hanseatische Brauerei Rostock, Coca Cola, die Sparkassen-Finanzgruppe, Scandlines, Subaru, Eurawasser oder Lidl, um nur einige zu nennen, auch in schwierigen Zeiten zur Veranstaltung stehen und die Sail unterstützen.
Zwischen Kanonierstreffen und Konferenzen
Die Hanse Sail ist nicht nur für Mitsegler und Liebhaber von Traditionsschiffen und Volksfeststimmung der jährliche Höhepunkt, sondern auch für ehrenamtliche Vereine und Künstler, die sich in unterschiedlicher Form einem breiten Publikum präsentieren können. Das Spektrum reicht dabei von laut bis leise. Von dem Treffen der Kanoniere, die mit ihren Böllern an die traditionelle Zeremonie bei Schiffsankünften erinnern, bis zu den Philatelisten, die in ihrer stillen Art Sonderpoststempel und Briefmarken mit Koggenmotiven der Öffentlichkeit vorstellen.
Zu den ruhigeren Orten der Sail gehören das „Hanse Sail Business Forum“ und Ausstellungen, z. B. im Rostocker Rathaus aus Anlass des 750-jährigen Jubiläums der Gründung des „Wendischen Quartiers“, der Zelle der späteren Hanse. Um Besinnlichkeit geht es bei der „Nacht der Kirchen“ oder Gesprächen auf dem Missionskutter „Elida“. Für Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik bietet eine Reihe von Veranstaltungen, Foren und Konferenzen die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen oder zu vertiefen.
Die Besucher der Sail können aus den vielfältigen Angeboten auswählen. Einen Veranstaltungskompass und maritime Hintergrundgeschichte bietet das „Hanse Sail Magazin aktuell 2009“ mit einem Grußwort der Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Angela Merkel wünscht der Hansestadt Rostock, den Besuchern sowie allen Kapitänen und ihren Mannschaften allzeit „Gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“. HB