DEHOGA Schleswig-Holstein: Stefan Scholtis zieht Halbjahresbilanz
Mittwoch, 5. August 2009 12:45
Schleswig-Holstein. Er tritt für die Chancengleichheit der Gastronomen und Hoteliers ein, preist die Stärken und Vorzüge der landestypischen Betriebe und kämpft vor Gericht unermüdlich für das Recht der Verbandsmitglieder: Stefan Scholtis ist als Geschäftsführer bei der DEHOGA Schleswig-Holstein seit 1996 im Amt, als Hauptgeschäftsführer vertritt der Jurist und begeisterte Hobbykoch den Arbeitgeberverband seit 2004. Mit der Tourismus Agentur Schleswig-Holstein (TASH) sprach der 50-jährige Kieler über die Aufgaben des DEHOGAs, über Klassifizierungen und über den Genuss, essen zu gehen.

Stefan Scholtis ist seit 2004 Hauptgeschäftsführer des DEHOGAs Schleswig-Holstein. Foto: DEHOGA Schleswig-Holstein
TASH: Welches Ereignis der vergangenen Monate würden sie als etwas Besonderes in der Geschichte des DEHOGAs betrachten?
Scholtis: Herausragend war sicherlich die Demonstration zu der 7-Prozent-Forderung des Gastgewerbes. Zum ersten Mal ist der DEHOGA Schleswig-Holstein auf die Straße gegangen. Die Aktion war in den Medien mit Berichten und einer Übertragung durch den NDR gut vertreten. Außerdem hat das Flugzeug mit Banner, das quer über Schleswig-Holstein geflogen ist, für viel Wirbel gesorgt.
TASH: Sieben Prozent sind ja wohl doch etwas illusorisch?
Scholtis: Beim DEHOGA ist es nicht anders als bei anderen Verbänden oder bei der Gewerkschaft: Es ist unsere Aufgabe, auf Missstände aufmerksam zu machen. Wichtig ist, überhaupt erst einmal mit den anderen Parteien ins Gespräch zu kommen und Verhandlungen in Gang zu setzen.
TASH: Wofür setzt sich der DEHOGA noch ein?
Scholtis: Generell versucht der Verband immer, den Gastronomen und Hoteliers das Geschäftsleben zu erleichtern. Gerade die Verwaltungsarbeit nimmt mittlerweile viel zu viel Raum ein. Außerdem kämpfen wir gegen die Schwarzgastronomie an, die mit rund einer Million Veranstaltungen im Jahr dem Gewerbe einen erheblichen Schaden zufügt. Es gibt unzählige kleine, aber wichtige Tätigkeitsbereiche: Manchmal ist es schon eine Riesenangelegenheit, nur ein Hinweisschild „Restaurant“ für die Straßenkreuzung zu bekommen.
TASH: Läuft das in anderen Bundesländern besser?
Scholtis: In Mecklenburg-Vorpommern werden touristische Betriebe vom Land unterstützt, bei uns muss jeder für sich alleine kämpfen. Dabei wäre es begrüßenswert, wenn es zum Beispiel eine engere Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Nahverkehr gäbe.
TASH: Wie steht Schleswig-Holstein im bundesdeutschen Vergleich bezüglich der Hotelklassifizierungen dar?
Scholtis: Wir haben elf 5-Sterne-Häuser, davon sind sieben Betriebe 5-Sterne-Plus-Häuser. Im Verhältnis zu den 350 klassifizierten Betrieben hat Schleswig-Holstein die meisten 5-Sterne- und 5-Sterne-Plus-Hotels deutschlandweit.
TASH: Wie wichtig ist heutzutage die Klassifizierung?
Scholtis: Für den Gast ist die Klassifizierung ein unverzichtbarer Hinweis auf das, was ihn vor Ort erwartet. Heutzutage sind die Urlauber durch die extreme Mobilität nicht nur sehr erfahren, sondern auch besonders kritisch. Wer schon in vielen Hotels übernachtet hat, wird dementsprechend vergleichen. Dabei kommt ein sehr gutes 3-Sterne-Hotel besser weg als ein schlechtes 4-Sterne-Hotel.
TASH: Und wie steht es um die schleswig-holsteinischen Sterne-Köche?
Scholtis: In Schleswig-Holstein haben wir zwei 2-Sterne-Köche: im Alten Meierhof in Glücksburg und im Landhaus Stricker auf Sylt. Das Problem dabei ist, den Stern zu halten, weil so viele Auflagen mit dem Stern verbunden sind: Beispielsweise muss anderes Material vorgehalten werden, ein Sterne-Koch benötigt mehr Mitarbeiter, weil die ganze Vor- und Zubereitung viel zeitintensiver ist. Viele Köche sind richtig gut, möchten aber gar nicht mit einem Stern kochen, weil sie dem Druck nicht ausgesetzt sein wollen.
TASH: Was ist für Sie persönlich bei einem Restaurantbesuch wichtig?
Scholtis: Das Gefühl, willkommen zu sein. Wenn ich mit meiner Familie oder Freunden essen gehe, möchte ich entspannen und den Moment genießen. Ein gutes Essen ist schließlich auch etwas für die Seele.
Thema: Schleswig-Holstein | Kommentare deaktiviert | Autor: admin